Resilienz – das Geheimnis von Erfolgsgeschichten

Die moderne Arbeitswelt hat in den letzten Jahrzenten dramatische Veränderungen erfahren. Viele Aspekte wurden vollständig geändert, Alte ersetzt und neue kreiert. Digitalisierung, Globalisierung und ein neues Verständnis des Menschen, diese Faktoren in Unternehmen haben nicht nur für Geschäftsprozesse, Strategien und Produktionsketten einige Veränderungen nach sich gezogen.

Mitarbeiter sehen sich mit steigendem Anteil in einem gänzlich anderen Arbeitsumfeld als noch vor 30 Jahren. Der Anteil körperlicher Arbeit nimmt ab, der Arbeitstakt allerdings nicht. Im Gegenteil erfordern die, sich schnell bewegenden, Märkte ein hohes Maß an Performance, Geschwindigkeit und Leistungsbereitschaft.

 

Gesundheit im Wandel

Diese Veränderung der Umstände und Ansprüche zeigt sich auch mit Blick auf die psychischen, arbeitstechnischen Belastungen in der Arbeitswelt. Die Auswirkungen, die bei Überschreitung der individuellen Ressourcen durch diese Belastungen auftreten, spiegeln diesen Wandel ebenfalls wider.

Noch vor wenigen Jahrzenten waren die Hauptgründe für Arbeitsunfähigkeit oder Krankheit aufgrund von zu hohen Belastungen körperlicher Natur. Gesundheitsreporte der letzten Jahre, beispielsweise seitens der DEBEKA oder der Techniker Krankenkasse zeigen allerdings einen deutlichen Wandel.

Der Anteil an Gründen für Fehlzeiten von Mitarbeitern im Bereich der psychischen Ursachen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Aus dem Gesundheitsreport 2019 der Techniker Krankenkasse geht hervor, dass vor allem psychische Störungen wie Burnout oder Depressionen prävalent geworden sind.

Seit Beginn der Auswertungen im Jahr 2000 haben sich die Fehlzeit-Diagnosen durch psychische Störungen bis 2018 um 92 Prozent erhöht.

 

Quelle: Gesundheitsreport 2019 der Techniker Krankenkasse

 

 

Resilienz als Erfolgsfaktor

Und doch scheint es, dass während Personen vermehrt an psychischen Störungen leiden, andere keine Anzeichen von Belastung zeigen. Gerade im Falle erfolgreicher Unternehmer und Top-Managern scheint es oft, als wären sie quasi unberührt von den psychischen Belastungen. Angesichts der hohen Verantwortung und Arbeitsintensität, die diese Positionen mit sich bringen, scheint dies zunächst kontraintuitiv.

Wolfgang Bilinski griff diese Frage bereits 2010 auf und beantwortet sie mit einem Faktor: Resilienz.

Bilinski stellt Resilienz als „die Fähigkeit, Probleme als Herausforderungen zu sehen und an Rückschlägen zu wachsen“ vor. Resilienz sei der Faktor, der unterscheide, ob man in stressreichen Situationen der Situation entflieht oder zur Höchstleistung aufläuft.

Hochresiliente Menschen nehmen Herausforderungen selbstbewusst an und wachsen an ihnen.

Je geringer jedoch die Resilienz, desto wahrscheinlicher werden solche Situationen gemieden und können bei hoher Frequenz der psychischen Gesundheit schaden. Resilienz als Eigenschaft findet ihren Ursprung im eigenen Selbstwert und dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Anhand der eigenen Einschätzung der Fähigkeiten wird die potenziell gefährliche Situation bewertet. Besitzt man hohes Vertrauen in seine Fähigkeiten, wird man sich der Problemstellung wahrscheinlicher selbstbewusst gegenüberstellen. Somit steigt auch die Chance, die Situation zum eigenen Wachstum nutzen zu können.

 

 Gesundes Selbstvertrauen

Bei geringem Vertrauen und Wahrnehmung von Bewältigbarkeit werden Problemstellungen als furchteinflößend und als Grund zu Flucht wahrgenommen. Personen mit geringer Resilienz werden sie in Zukunft wahrscheinlicher vermeiden und schränken somit ihr eigenes Wachstumspotenzial ein.

Auch die Rolle, die Resilienz bei psychischen Erkrankungen spielt, wird angesichts der steigenden Anzahl an Diagnosen psychischer Störung immer relevanter. Mit ausreichender Resilienz können Stress und Depression möglicherweise gänzlich abgewendet werden.

Lazarus (1984) untermauert diese Annahmen durch das Transaktionsmodell, welches den Bewertungsprozess einer Situation durch den Akteur beschreibt.

Dieses postuliert, dass potenziell stressreiche Situationen nur dann als Belastung wirken können, wenn sie als solche wahrgenommen werden. Die Beurteilung geschieht im Abgleich der Situationsfaktoren mit den eigenen Fähigkeiten und dem Vorwissen der Person. Resilienz wird also bestimmt durch die eigenen Fähigkeiten zur Problembewältigung, mehr noch aber durch das eigene Vertrauen in selbige.

Nur wer also überzeugt ist, Situationen bewältigen zu können, wird auch auf lange Sicht an ihnen wachsen können.

 

„Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass das Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm.“ – Henry Ford